RUBRIK: SCHMATZ DER WOCHE
Unser neues Redaktionsteam ist bereits aktiv bei der Suche des nächsten Kunstknallers in der Ruhrtalstadt Mülheim in Nordrhein-Westfalen
Appropriation Art
Titel: DER LENZ IST DA!" von Bernd Kirstein auf Vorlage von Gisela Lentz - Mixed Media, März 2026 (kann direkt vom Künstler erworben werden !)
Rosarotes Elefantenkind
Neue Ausstellung in der VILLA ARTIS stößt auf internationales Interesse
Link: Schau UNTER TAGE von Anna Magganiks
Link: Kulturserver-NRW hier
Die Künstlerin Anna Magganiks zeigt vom 24. bis 31. Januar 2026 ihre Werkreihe "UNTER TAGE" mit eindrucksvollen großformatigen Porträts. Besuche auch für Gruppen nach Vereinbarung - Eintritt frei.
Aus der Mülheimer Kunstszene
Unser Foto zeigt die Künstler Paul Rainer Heicappell (li) und Bernd Kirstein alias EINSDREISSIG - das Foto machte Volker Flecht anl. des "Mülheimer Kunstsonntags" im August 2025 in der Villa Artis
Aktuell in der Schau "DORN IM AUGE" "Ohne Titel" von Paul Rainer Heicappell
RUBRIK: SCHMATZ DER WOCHE
Interpretation des Kunstwerks „Gold Gans Franz“ von Bernd Kirstein (Künstlername EINDREISSIG) - DER SCHMATZ DES MONATS AUGUST
Königliche Ironie im Banalen
Die Gans bekommt mit Perlenkette und Federkrone eine komödiantische Würde verliehen. Dieser augenzwinkernde Kontrast zwischen Tier und Luxusgeste regt zum Nachdenken an, wie Oberflächenglanz unsere Wahrnehmung verzerrt.
Einbettung ins künstlerische Gesamtwerk
Bernd Kirstein lotet in vielen Arbeiten das Zusammenspiel von scheinbar gegensätzlichen Dimensionen aus. In „Hörbare Stille“ etwa verknüpft er Malerei mit Musik, indem er eine Schallplatte beilegt, die das Bild mit nostalgischen Klängen verbindet. Ähnlich verwendet er in „Pastorale“ lebendige Farbschichten, um eine Huldigung an die Natur zu schaffen, die dynamisch und unmittelbar wirkt.
Multi-sensorische Verbindungen
- visuelle Reize: glänzende Accessoires auf nüchternem Hintergrund
- auditive Anklänge: Erinnerungen an Kirsteins Arbeiten, die Klang und Stille verschmelzen
- haptische Assoziation: Der gedankliche Impuls, die „Krone“ aufzusetzen, macht das Bild körperlich erfahrbar
Diese sinnliche Vielfalt eröffnet dem Betrachter neue Zugänge zum Werk.
Gesellschaftliche Spiegelungen
Die Überhöhung des Alltäglichen hinterfragt, welche Werte wir mit Statussymbolen verknüpfen. Wie schnell lassen wir uns von glänzenden Fassaden blenden, obwohl dahinter gewohnte, vertraute Wesen stehen?
Humor als kritisches Werkzeug
Der leichte Tonfall lockert die Reflexion über Schein und Sein auf. Durch das Schmunzeln öffnet sich ein Dialog, der uns einlädt, den eigenen Blick auf Glanz und Authentizität zu hinterfragen.
Schmatz der Vor-Woche
Kunst am Bau – Kunst im öffentlichen Raum
Titel: „Zwischen Gitter und Graffiti“
Im Zentrum dieses Bildes steht ein vergittertes Fenster, das nicht nur durch seine Schutzfunktion auffällt, sondern als Bühne für eine vielschichtige, urbane Kunstinstallation dient. Die Gitterstäbe wurden mit unkonventionellen Mitteln verfremdet – unter anderem mit Teilen eines Einkaufswagens, fragmentierten Maschendrahtstücken und rotem Kunststoff. Das scheinbar zufällig Zusammengesetzte wird hier zum Symbol des Widerstands gegen Ordnung und Konformität.
Rund um das Fenster entfaltet sich eine vielstimmige Wandmalerei: stilisierte Figuren in Schwarz werfen Schatten auf die Wand, manche in Bewegung, andere in Interaktion mit der Umgebung. Sie erinnern an Straßenszenen, an Protest, an Gemeinschaft – ein Spiel mit Licht, Silhouetten und sozialen Narrativen.
Die Farben und Formen wirken roh, direkt und bewusst unperfekt. Diese Ästhetik spiegelt den Geist vieler urbaner Kunstformen wider: rebellisch, zugänglich und voller Bedeutung. Die verwendeten Materialien und Motive erzählen von Konsum (Einkaufswagen), Kontrolle (Gitter) und Kreativität (Graffiti), die miteinander in Konflikt und in Dialog treten.
Diese Arbeit ist ein kraftvolles Beispiel dafür, wie „Kunst am Bau“ nicht bloß schmückendes Beiwerk ist, sondern Räume transformieren, Aussagen treffen und Diskussionen anstoßen kann. Im Spannungsfeld zwischen Architektur, Alltagsgegenständen und politischem Ausdruck entfaltet sich ein ganz eigener künstlerischer Kosmos – roh, kritisch und lebendig.
SCHMATZ DES VOR-MONATS
Sabine Reimann
Die Oberhausener Künstlerin hat uns mit dem Werk "Die Farben des Ruhrgebiets am Beispiel Oberhausen" eine große Freude gemacht.
Das Werk ist jetzt in der "STÄNDIGEN SAMMLUNG PERMANENTA" in der Villa Artis zu bewundern. Der 1. Vorsitzende des Mülheimer Kunstvereins KKRR Ivo Franz (li.) freut sich wie man sieht.
Jede der Farben ist dokumentiert mit genauer Herkunft - z.B. der Farbton der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen in der Bildmitte. Dort wurde das Werk erstmals ausgestellt in der Schau "VON HIER".
SCHMATZ DES RUHRGEBIETS
Vernissage "kleinorange" von Ute Nowak mit dem Schöpfer "Rheinorange" Lutz Fritsch
(Foto: AlivFranz, Mülheimer Kunstverein KKRR)
Neue Wahrnehmung der Skulptur RheinOrange: Hommagen und digitale Innovationen im Ruhrgebiet
Duisburg – Die ikonische Skulptur Rheinorange von Lutz Fritsch, die seit 1992 das Ende des malerischen Ruhrtals an der Mündung der Ruhr in den Rhein markiert, erlebt derzeit eine kreative Wiederentdeckung. Die 25 Meter hohe, leuchtend orangefarbene Skulptur, die mit ihrem intensiven RAL 2004 Reinorange weithin sichtbar ist, symbolisiert den Übergang zweier Flüsse und hat sich als unverzichtbares Wahrzeichen des Ruhrgebiets etabliert. Eigentlich hätte sie mit Rhein/Ruhrorange betitelt werden sollen, markiert sie doch auch das Ende des beliebten 232 km langen Ruhrtalradweges, der an der Quelle der Namensgeberin der gesamten Region Ruhr beginnt. An diesem Radweg liegen 23 Orte: Winterberg - Olsberg - Meschede - Bestwig - Arnsberg - Wickede - Ense - Fröndenberg - Iserlohn - Menden - Schwerte - Holzwickede - Hagen - Dortmund - Herdecke - Wetter - Witten - Bochum - Hattingen - Essen - Mülheim an der Ruhr - Oberhausen und Duisburg wobei nur die Innenstadt der Ruhrtalstadt Mülheim von dem Fluß durchquert wird.
Großskulptur Rheinorange versus Miniskulptur „kleinorange“.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Kunstwerk nun im Rahmen der Ausstellung der Ruhrgebietskünstlerin Ute Nowak, die im Kult-Eis-Café Zum Kuckuck in Duisburgs Lilienthalstraße eröffnet wurde. Zahlreiche Kunstbegeisterte strömten zur Veranstaltung, bei der auch der Schöpfer der Rheinorange selbst, Lutz Fritsch, anwesend war. Fritsch nutzte die Gelegenheit, um die spannende Entstehungsgeschichte der Landmarke in Erinnerung zu rufen: Die Idee zur Errichtung der Skulptur kam damals von den Duisburger Wirtschaftsjunioren, die einen visuellen Abschluss für das Ruhrtal schaffen wollten. Über das Lehmbruckmuseum wurde der Kontakt zu Fritsch hergestellt, der es schaffte, das Projekt umzusetzen. "Es war ein einzigartiges Erlebnis, diese Landmarke zu verwirklichen", so Fritsch, der für seine Arbeit damals bewusst auf ein Honorar verzichtete.
Während der Eröffnung erinnerte ein anwesender Stahlarbeiter daran, dass die Skulptur nicht nur als geografisches Symbol verstanden werden könne. Schon bei ihrer Einweihung wurde die Rheinorange als Symbol für die letzte glühende Stahlbramme im Ruhrgebiet gesehen – ein prophetisches Bild, das durch die Verlagerung der Stahlproduktion in Länder mit vernünftigen Energiepreisen mittlerweile Realität geworden ist.
Ute Nowak würdigte die Rheinorange mit ihrer Miniaturversion kleinorange, die sie auf einer Fotosafari durch Duisburg vor verschiedenen Sehenswürdigkeiten platzierte und noch als kommende Serie plant. Die Mini-Skulptur, die in malerischen Parklandschaften, vor Industrie-Denkmälern und städtischen Wahrzeichen zu sehen ist, stellt eine liebevolle Hommage an das Original dar und verbindet auf poetische Weise Kunst und Regionalgeschichte.
Parallel dazu erweiterte der Digital Artist Funbot die kreative Auseinandersetzung mit der Rheinorange durch eine technische Innovation. Mit Hilfe von Augmented Reality (AR) schuf er eine digitale Version der Skulptur, die es ermöglicht, das Werk in erweiterter Realität auf dem eigenen Smartphone in jedes beliebige Foto einzufügen. Diese Funktion eröffnet einen ganz neuen, interaktiven Zugang zur Skulptur, bei dem Nutzer ihre eigene Version der Rheinorange in persönlichen Kontexten festhalten können.
Als Farbton für das leuchtende Orange der Skulptur Rheinorange wurde von seinem Schöpfer „RAL2004 - Reinorange“ gewählt, um die Verbindung von Kunst und Natur an diesem einzigartigen geografischen Punkt zu unterstreichen. Gleichzeitig erinnert der Farbton des 25 Meter hohen und 83 Tonnen schweren Stahlkolosses an eine glühende Stahlbramme, die das drohende Ende des Industriezeitalters in Deutschland markiert.
Seit ihrer Errichtung wurde die Skulptur zweimal restauriert, um ihren kräftigen Farbton und ihre Struktur zu bewahren.
Die Ausstellung von Ute Nowak ist noch bis Ende der Eiscafe-Saison in Duisburg zu sehen. Nowaks „kleinorange“ und die AR-Innovation von Funbot zeigen eindrucksvoll, wie das Ruhrgebiet seine Wahrzeichen immer wieder neu interpretiert und in die Gegenwart transportiert. Ob als Miniatur oder digitale Erweiterung – die Rheinorange bleibt ein lebendiges Symbol für Wandel, Kreativität und die untrennbare Verbindung von Vergangenheit und Zukunft im Ruhrgebiet und der Metropolregion Rhein-Ruhr.
SCHMATZ (aus dem Schmatz-Archiv)
"SCHILDERKUNST" Titel "etc" von Helmut Kottkamp - im Hof der Villa Artis
Link zum Presseartikel LOKALKOMPASS MÜLHEIM
POP ART
Schilder von Helmut Kottkamp
"SCHILDERKUNST" von Helmut Kottkamp - im Hof der Villa Artis
Link zur Webseite des Künstlers
Neuzugang Ständige Sammlung Mülheim MMKM
Großformatige Malerei von Fernand Luixkx "Blue Dream"
Kunstreise nach Innsbruck
Fotos Mülheimer Kunstverein KKRR Aliv Franz
Grafitto - unbekannte Künstlerin / unbekannter Künstler (Innsbruck)
Mülheimer Kunstverein KKRR in Salzburg 2025
Für das neunte Kunstprojekt Salzburg hat der katalanische Künstler Jaume Plensa eine Skulptur für die „Dietrichsruh" der Universität Salzburg geschaffen: Sie trägt den Titel „Awilda" und ist der monumentale, 5m hohe Kopf eines jungen Mädchens mit karibischen Gesichtszügen, gestaltet aus weißem spanischem Marmor.
Die Figur, die unmittelbar aus dem Boden zu wachsen scheint, vereint Distanz und Nähe gleichermaßen. Sie strahlt eine übernatürliche Ruhe und etwas höchst Rätselhaftes aus.
Was wir sehen, ist eindeutig ein weiblicher Kopf, doch sofort
entzieht sich „Awilda" der Eindeutigkeit, die sich im ersten Moment beim Betrachter einstellt. Diese Irritation der Wahrnehmung gelingt dem Künstler, indem er sein Werk nicht aus einem Block fertigt, sondern aus 20 Scheiben gleicher Höhe aber unterschiedlichen Durchmessers, die übereinander auf einen im Boden verankerten Stahlstab gelegt werden. So scheint der Kopf zu schwingen, sich in die Höhe zu schrauben, nach oben und unten zu fließen.
Die Schichtung der Marmorscheiben hat aber nicht nur formale Gründe, sondern auch inhaltliche.
Sie verweist auf die von Plensa in Salzburg beobachteten
„Schichten von Menschlichkeit", die über Jahrhunderte gewachsen sind:
„Awilda kommt aus Santo Domingo. Sie ist einer dieser Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben nach Europa gekommen sind. Mein Ziel ist es, mit ihrem Gesicht eine Portion Zukunft inmitten unserer alten einzubringen. Die außergewöhnliche Geschichte der Stadt Salzburg besteht aus zeitlich übereinanderliegenden Schichten von Menschlichkeit. Eine Ablagerung.
Awilda repräsentiert die enorme Kapazität, die ein anonymer Mensch hat, die tägliche Geschichte mit aufzubauen, auch wenn dies normalerweise von den großen Namen und dem politischen Geschehen überdeckt wird. Das alltägliche Leben verwandelt sich in etwas Übersinnliches. Ein Fest des Volkes." (Jaume Plensa)
Dieser Gedanke hat auch die Entscheidung Jaume Plensas für die Aufstellung seiner Skulptur in der „Dietrichsruh" der Universität Salzburg beeinflusst. Es ist ein offener, stark frequentierter Ort, eine Eingangssituation. Studenten aus aller Welt treffen hier zusammen - die perfekte Kulisse für seine „Heimatlose" Awilda, ein Ort des Kennenlernens und der Erkenntnis, der Offenheit und Forschung.
Jaume Plensa wurde 1955 in Barcelona geboren. Seine Werke werden in Museen und Galerien in Europa, den USA und Japan präsentiert. Er hat zahlreiche Werke für den öffentlichen Raum und Bühnengestaltungen für Opern realisiert. Plensa hat an der École Nationale des Beaux-Arts in Paris gelehrt und hat eine Gastprofessur an der School of the Art Institute of Chicago inne. Der Künstler lebt und arbeitet in Barcelona und Paris.
Seit 2010 befindet sich dieses Kunstwerk im Eigentum der Würth-Gruppe und ist der Öffentlichkeit und der Stadt Salzburg als Leihgabe zur Verfügung gestellt.